Begriff


Begriff

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Be|griff [bə'grɪf], der; -[e]s, -e:
1. etwas Bestimmtes, was sich z. B. mit einem Wort, einem Namen an Vorstellungen und Inhalten verbindet; geistiger, abstrakter Gehalt von etwas:
ein schillernder, dehnbarer Begriff; ist »Moral« ist ein sinnentleerter, nebulöser Begriff?; Paris ist für mich ein Begriff; dieser Name ist mir kein Begriff (ist mir nicht bekannt, sagt mir nichts); du machst dir keinen Begriff (kannst dir nicht vorstellen), wie schwer das ist.
Syn.: 1 Ausdruck, Bedeutung, Bezeichnung, Terminus, Vokabel, Wort.
2.
a) im Begriff sein/stehen: gerade etwas anfangen, tun wollen:
er war im Begriff, fortzugehen.
Syn.: sich anschicken, Anstalten machen, Miene machen.
b) schwer/langsam von Begriff sein (ugs.): nur langsam begreifen, verstehen:
sei doch nicht so schwer von Begriff!
Syn.: begriffsstutzig sein.

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Be|grịff 〈m. 1
1. Bedeutungsinhalt eines Wortes, Vorstellungsinhalt
2. Ahnung, vage Vorstellung
3. das Begreifenkönnen, Fähigkeit des Verstehens, Auffassungsgabe
● ich weiß diesen \Begriff nicht klar zu benennen; sein: ist dir das ein \Begriff? kennst du das?; ich muss diesen \Begriff umschreiben, da mir das rechte Wort dafür fehlt ● ein deutlicher, eindeutiger, falscher \Begriff; das Wort „Gleichung“ ist ein mathematischer \Begriff ● du machst dir keinen \Begriff davon, was da los war 〈umg.〉 du ahnst nicht; für meine \Begriffe ist das unmöglich nach meiner Ansicht; im \Begriff sein, stehen zu ... anfangen, beginnen, gerade dabei sein, zu ...; ich bin im \Begriff zu gehen; nach unseren heutigen \Begriffen bedeutet „Ehre“ etwas anderes als im Mittelalter; über alle \Begriffe außerordentlich; das geht über meine \Begriffe das verstehe ich nicht; sich einen \Begriff von etwas machen sich etwas vorstellen; einen, keinen deutlichen \Begriff von etwas haben; du wirst ja einen schönen \Begriff von meiner Ordnungsliebe bekommen haben! 〈umg.; iron.〉 einen schlechten Eindruck; langsam, leicht, schwer von \Begriff sein 〈umg.〉 eine langsame, schnelle Auffassungsgabe haben [→ begreifen]

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Be|grịff , der; -[e]s, -e [mhd. begrif = Bezirk; Umfang (u. Inhalt einer Vorstellung), zu begreifen]:
1. Gesamtheit wesentlicher Merkmale in einer gedanklichen Einheit; geistiger, abstrakter Gehalt von etw.:
ein fest umrissener, schillernder, dehnbarer B.;
zwei -e miteinander verwechseln, voneinander abgrenzen;
etw. auf den B. bringen (Punkt 4 b).
2. (ugs.) Ausdruck, Wort.
3. Vorstellung, Auffassung, Meinung von etw.:
ich kann mir keinen rechten B. davon machen;
keinen B. (keine Ahnung) von etw. haben;
nach menschlichen -en unschuldig sein;
[jmdm.] ein B. sein ([jmdm.] bekannt sein; in jmdm. eine bestimmte Vorstellung wachrufen: Ulrich Maier? Ist mir kein B.).
4.
im Begriff[e] sein/stehen (gerade anfangen wollen, etw. zu tun: sie sind im B. zu gehen; ich stand im B., das Haus zu verlassen);
schwer/langsam von B. sein (ugs. abwertend; lange brauchen, um etw. zu verstehen: er scheint etwas schwer von B. zu sein).

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I
Begriff,
 
durch Abstraktion invarianter Merkmale gewonnene Vorstellungen von Gegenständen, Eigenschaften und Relationen (Begriffsbildung); von I. Kant als Allgemeinvorstellung unterschieden von der Anschauung als Einzelvorstellung; neben der Aussage Grundelement des Denkens und Erkennens.
 
Der Begriff stellt den Gegenstand nicht in seiner anschaulichen Fülle, sondern nur bestimmte Merkmale dar. Die Gesamtheit der im Begriff gedachten Merkmale macht den Inhalt (Intension) des Begriffs aus, durch den er auf den Gegenstand zielt (ihn »meint«). Die Gesamtheit der Gegenstände, die ein Begriff bezeichnen kann, heißt der Umfang (Extension) des Begriffs. Je größer der Umfang des Begriffs ist, desto geringer ist sein Inhalt und umgekehrt. Begriffe werden geklärt und gegen verwandte abgegrenzt durch (Real- oder Nominal-)Definitionen und Begriffsbestimmungen, bei denen die Begriffe zu Systemen und »Netzen« geordnet werden (z. B. Begriffspyramide). Haupttypen von Begriffen sind nach der philosophischen und mathematischen Logik:
 
Allgemeinbegriff, Individualbegriff, Artbegriff (Art), Gattungsbegriff (Gattung), Klassenbegriff (Klasse), Relationsbegriff, Kollektivbegriff, Wechselbegriff.
 
Nach der antiken und scholastischen Lehre enthält ein Begriff das, was vielen Einzelnen gemeinsam ist. Der Begriff kommt zustande durch das Zusammenwirken von Vernunft, die das Einzelne unter dem Aspekt des Gemeinsamen betrachtet und Wesentliches von Unwesentlichem trennt (aktiver Teil der Begriffsbildung), und Sinnlichkeit, die die einzelnen Gegenstände passiv empfängt, um sie der Vernunft vorzustellen. Das Zusammenspiel von Vernunft und Sinnlichkeit konstituiert den Verstand. Offen bleibt hierbei, wie die Seinsweise der Begriffe zu denken sei: So existieren nach Platon die Begriffe als Ideen unabhängig vom werdenden und vergehenden Seienden, während sie für Aristoteles erst durch einen Denkakt (Abstraktion) hervorgebracht werden müssen. Dieses Problem war Ausgangspunkt für den mittelalterlichen Universalienstreit. Die Position des Nominalismus stellte die überkommene Begriffslehre infrage, indem sie behauptete, Begriffe seien lediglich abkürzende Bezeichnung für Klassen gleich gearteter Gegenstände. Für die neuzeitliche Diskussion seit R. Descartes ist die Unterscheidung von reinen (apriorischen, Stamm- oder Ur-)Begriffen und von den empirischen (Erfahrungs-)Begriffen zentral. Die Auseinandersetzungen zwischen Rationalisten und Empiristen kreisen um die Frage, ob die Behauptung, dass es apriorische Begriffe gebe und dass diese das Fundament des Wissens bildeten, gerechtfertigt sei. Die Erkenntnis der Stammbegriffe geschieht gemäß rationalistischer Auffassung mithilfe einer besonderen geistigen Fähigkeit. Demgegenüber behauptet der Empirismus die Abstammung aller Begriffe von der Erfahrung. - Kant vertrat dagegen, dass nur das Zusammenwirken von Denken und Anschauung Begriffe und damit Wissen hervorbringen kann. Kant unterscheidet zwischen empirischen Begriffen (die auf Erfahrung beruhen), reinen Verstandesbegriffen (Kategorie), die nicht aus der Erfahrung hervorgehen, sondern diese erst möglich machen, und reinen Vernunftbegriffen (Idee), die nur mittelbar Bezug zu Anschauung und Erfahrung besitzen. Mit Aufkommen der Romantik und des deutschen Idealismus erhält der Terminus »Begriff« eine neue Wendung. War bisher Begriff Verkörperung der Allgemeinheit, so taucht nun der Individualbegriff auf als Ausdruck des Wesens einer Person, eines Kunstwerks oder einer Geschichtsepoche. Der Begriff wird, z. B. bei G. W. F. Hegel, zum Inbegriff des Wissens: »Das absolute Wissen ist der Begriff, der sich selbst zum Gegenstand und Inhalt hat.« Begreifen - verstanden als das Innewerden eines Begriffs wird zum unmittelbaren Zugriff auf das Wesen einer Sache (etwa wenn eine Sache »auf den Begriff gebracht wird«). Die Bewegung des Begriffs, die letztlich auf das Sich-selber-Innewerden zielt, entsteht aus dem Zusammenspiel von Begriff und Gegenstand (Dialektik). Für A. Schopenhauer sind dagegen die Begriffe abstrakte, nicht anschauliche und nicht durchgängig bestimmte Vorstellungen; die Gegenstände werden als solche angeschaut, nicht begriffen.
 
In der neueren, formalen Logik (G. Frege) wird der Begriff hinsichtlich seiner funktionalen Verflechtung innerhalb der Aussage, in der er von ihm abhängige begriffliche »Leerstellen« definiert (z. B. als Prädikatsbegriff eine Subjektvariable), als »Satzfunktion« bestimmt. Die moderne Begriffslogik untersucht deshalb in erster Linie die extensionalen (Umfangs-)Beziehungen zwischen den Begriffen (Relationenlogik).
 
 
B., in: Histor. Wb. der Philosophie, hg. v. J. Ritter u. a., Bd. 1 (1971);
 G. Frege: Funktion, B., Bedeutung. Fünf log. Studien, hg. v. G. Patzig (71994).
II
Begriff,
 
Gesamtheit aller wesentlichen Merkmale einer Vorstellung beziehungsweise Vorstellungsreihe. Begriffe sind für das Denken unerlässlich, ermöglichen sie doch erst die das Denken charakterisierende Verallgemeinerbarkeit. Mit der Aneignung (Begriffslernen), Entwicklung und Vertiefung geeigneter Begriffe beschäftigen sich v. a. die kognitive Psychologie, die Pädagogik sowie die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Letztere unter philosophischen und logischen Gesichtspunkten.

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Be|grịff, der; -[e]s, -e [mhd. begrif = Bezirk; Umfang (u. Inhalt einer Vorstellung), zu ↑begreifen]: 1. Gesamtheit wesentlicher Merkmale in einer gedanklichen Einheit; geistiger, abstrakter Gehalt von etw.: ein fest umrissener, schillernder, dehnbarer B.; zwei -e miteinander verwechseln, voneinander abgrenzen; Hielscher deutete den B. „Reich“ mystisch (Niekisch, Leben 126); *etw. auf den B. bringen (etw. auf den Punkt bringen; Punkt 4 a). 2. Vorstellung, Auffassung, Meinung von etw.: ein neuer B. von Öffentlichkeit (Jacob, Kaffee 88); ich kann mir keinen rechten B. davon machen; keinen B. (keine Ahnung) von etw. haben; Sie schwimmt für meine -e etwas zu weit hinaus (Gregor-Dellin, Traumbuch 48); nach menschlichen -en unschuldig sein; *[jmdm.] ein B. sein ([jmdm.] bekannt sein; in jmdm. eine bestimmte Vorstellung wachrufen): Ulrich Maier? Ist mir kein B. 3. *im Begriff[e] sein/stehen (gerade anfangen wollen, etw. zu tun): sie sind im B. zu gehen; ich stand im B., das Haus zu verlassen; schwer/langsam von B. sein (ugs. abwertend; lange brauchen, um etw. zu verstehen): da Sie etwas schwer von B. zu sein scheinen, ... muss ich wohl deutlich werden (Kirst, 08/15, 620).

Universal-Lexikon. 2012.

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